Natürlicher Alkohol ist kein Aufreger – aber bitte wohldosiert

Sekt, Wein, Bier, Cocktais sind definitiv ein No Go während der Schwangerschaft. Aber was hat es eigentlich mit dem Alkoholgehalt in Fruchtsäften auf sich? Ist das schädlich für mein Baby? Kann ich mich tatsächlich mit überrreifen Bananen beschwipst essen? Was ist mit den Hefepilzen, die für Alkohol im Brot sorgen? Und kann ich bedenkenlos alkoholfreies Bier trinken, obwohl das ja nicht wirklich alkoholfrei ist?
Alles Fragen, die werdende Mütter immer wieder verunsichert umtreibt.

Zum Beruhigen vorab: “Das Verzehren von Säften und Obst in normalen Mengen spielt bezüglich des Alkoholgehalts sicherlich keine Rolle” gibt unsere Botschafterin und Ärztin am Hamburger Marienkrankenhaus, Elena Leineweber, zunächst einmal Entwarnung.

Fakt ist, dass Alkohol für unseren Körper gar keine fremde Substanz darstellt. So wird er gern “natürlicher Alkohol genannt. Im Gegenteil: Im Verdauungstrakt finden ständig Gärprozesse statt. Diese geringen Alkoholmengen ist der Körper aber gut in der Lage zu verdauen. Alkoholhydrogenase heißt das in der Leber dafür zuständige Enzym, das Ethanol in andere Stoffe umbaut. Dass in vielen Lebensmitteln, insbesondere Obst, Fruchtsäften, Brot, geringe Mengen Alkohol enthalten sind, bedeutet für den Körper also keinen wirklichen Aufreger.

Laut dem bayrischen Kompetenzzentrum für Ernährung sind Lebensmittel mit natürlichem Alkoholgehalt, der selten 0,3 Volumenprozent übersteigt, als unbedenklich einzustufen. Zu verhindern ist der Alkoholgehalt in Fruchtsäften übrigens nicht. Die Früchte beginnen schon am Tag der Ernte zu gären. Bis die Früchte gepresst werden, ist also schon Alkohol entstanden.
In diesem Zusammenhang ist auch der Fruchtzuckergehalt zu erwähnen. Je höher dieser ist, desto mehr vergärt Zucker zu Alkohol. Das bedeutet, dass man bei Bananen- und Apfelsaft, oder auch Traubensaft, durchaus darauf achten sollte, wieviel man davon trinkt. Das Bundeszentrum für Ernährung empfiehlt ein Glas Saft am Tag. Trick 17 für drei Gläser mit Geschmack ist natürlich, die Saftmenge mit drei Teilen Wasser zu verdünnen.

Was für den Fruchtsaft gilt, gilt auch für den Verzehr von Obst. “Auch hier können große Mengen an Zucker ein Problem darstellen”, mahnt die Ärztin Elena Leineweber. Zwei Portionen Obst am Tag empfiehlt das Bundeszentrum für Ernährung. Wobei hier Unterschiede gemacht werden müssen, um welche Obstsorten es sich handelt. Heimische Beeren zum Beispiel haben kaum Fruchtzucker, Äpfel und Trauben dagegen viel. Auch bei Bananen sollte man Vorsicht walten lassen. Ganz frisch sind sie kein Problem. Je länger sie liegen, desto höher wird aufgrund der fortschreitenden Gärung der Alkoholgehalt. Hat die Banane zwei Wochen rumgelegen, kann sich der Alkoholgehalt auf 1,2 Prozent gesteigert haben. Das reicht aber noch nicht, um sich beschwipst zu essen. Es sei denn, man isst Unmengen davon.
Nicht zuletzt gilt auch der Alkoholgehalt im Brot als unbedenklich. Die Hefepilze sorgen für einen Alkoholgehalt von drei bis vier Gramm pro Kilogramm, also verschwindend gering.

Bleibt noch die Frage zu klären: Alkoholfreies Bier – Ja oder Nein?
Unsere Botschafterin sagt: “Produkte, die mit 0,0 Promille gekennzeichnet sind, enthalten auch 0,0 Promille. Bei als „alkoholfrei“ gekennzeichneten Produkten kann tatsächlich ein Restalkoholgehalt vorhanden sein. Wurden diese bereits verzehrt, halte ich dies nicht für bedenklich. Dennoch würde ich grundsätzlich in der Schwangerschaft auch darauf verzichten.”
Also bitte: Beim Kauf von alkoholfreiem Bier immer auf die 0,0%-Kennzeichnung achten. Dann ist man auf der sicheren Seite.

Autorin: Dagmar Elsen

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