Schottener Soziale Dienste gGmbH in Hessen setzt Signale – Erstes Projekt: FAS-Intensivwohngruppe

Sozialgesellschaftliche Verantwortung wird groß geschrieben bei der Schottener Soziale Dienste gGmbH. An 80 Standorten in Hessen und Rheinland-Pfalz bietet das gemeinnützige Unternehmen soziale Dienstleistungen an. Ein Schwerpunkt der Arbeit bildet die Kinder- und Jugendhilfe. Dazu gehören eine Vielzahl an Wohngruppen, Mutter-Kind-Einrichtungen, spezielle Mädchenangebote und Erziehungsberatung sowie Flüchtlingshilfe für Minderjährige ohne Begleitung. Der zentrale Bereich ist die Eingliederungshilfe, dazu gehören u.a. Wohnen und Arbeitsweltbezogene Teilhabe.

Seit geraumer Zeit zählen auch Menschen, die mit Alkoholschäden geboren wurden, zum Klientel der Schottener Soziale Dienste. Tendenz steigend. Nun sei es an der Zeit, “das Angebot für Menschen mit Fetalen Alkoholspektrumsstörungen auszubauen”, heißt es aus der Unternehmensführung.

Die Bedingungen dafür sind schon allein aufgrund des Portfolios der Schottener Soziale Dienste ideal. Hinzu kommt das Motto des Unternehmens: Hilfeplanung im Dialog. Das bedeutet, dass nach einem veränderten Rollenverständnis vorgegangen wird – im Kontakt und Austausch, gemeinsam als Team. Die Menschen mit Handicaps sollen sich als Experten in eigener Sache sehen, die Mitarbeiter der Schottener Soziale Dienste als professionelle Helfer. Beste Voraussetzungen also, einen konzeptionellen Schwerpunkt zur Unterstützung von Menschen zu setzen, die vom Fetalen Alkoholsyndrom betroffen sind, die sehr individuelle Lebenskonzepte benötigen.

Carmen Rüth, Leiterin der Stabstelle Kinder- und Jugendhilfe bei den Schottener Soziale Dienste, ist damit betraut, die Pläne des Unternehmens inhaltlich umzusetzen. Dazu hat die Pädagogin einige Fragen beantwortet:

In den Einrichtungen der Schottener Soziale Dienste leben bereits Kinder und Jugendliche mit dem Fetalen Alkoholsyndrom. Was hat sie bewogen, nun intensiver in die Materie einzusteigen?

Carmen Rüth: Das Thema ist in der öffentlichen Wahrnehmung immer präsenter und das ist auch gut so! Die bundesweiten Zahlen, offiziell 300.000, nach Schätzungen 1,5 Millionen vom Fetalen Alkoholsyndrom betroffene Menschen, sprechen eine deutliche Sprache. Und jedes Jahr wieder werden 10.000 Kinder mit Alkoholschäden geboren. Wenn man sich das vergegenwärtigt, ist Handlungsbedarf mehr als dringend angezeigt. Da wir bereits in unseren Einrichtungen Erfahrung mit Menschen haben, die diese Beeinträchtigungen haben, liegt es nahe, dass wir uns dem Thema mehr öffnen. Obendrein müssen wir leider beobachten, dass unser bestehendes Hilfesystem den Menschen mit Alkoholschäden in den unterschiedlichsten Ausprägungen nicht gerecht wird. Auch das muss sich dringend ändern.

Ihr vorderstes Ziel ist die Einrichtung einer Intensivwohngruppe für Jugendliche mit dem Fetalen Alkoholsyndrom. In welcher Art und Weise wollen Sie das umsetzen?

Carmen Rüth: Wir arbeiten gerade an einer Konzeption für solch eine Intensivwohngruppe. Wir werden eine bestehende Einrichtung, in der bereits Betroffene leben, in einem fortlaufenden Prozess in eine spezialisierte Wohngruppe weiterentwickeln. Nach unseren bisherigen Erfahrungen ist im Umgang und der Förderung von Menschen mit dem Fetalen Alkoholsyndrom ein Perspektivwechsel in der pädagogischen Haltung notwendig. Die Herausforderung der Bezugspersonen liegt darin, neue Wege für sich und den Betroffenen zu entwickeln. Auf diese Wege wollen wir uns intensiv und engagiert begeben.

Ihr Unternehmen besticht durch ein breit gefächertes soziales Engagement – Beratung, Wohnen, Ausbildung, Arbeiten, Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Wo wollen und können Sie Synergien schaffen, das Fetale Alkoholsyndrom als Thema zu platzieren?

Carmen Rüth: Zunächst einmal können wir das Thema in den regionalen, überregionalen und bundesweiten Gremien platzieren, in denen wir zu unterschiedlichen Themen vertreten sind. Darüber hinaus wollen wir natürlich auch medial auf unserer Homepage, unseren Printmedien und durch die Partnerschaft mit der Kampagne Happy Baby No Alcohol in den sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit generieren. Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung für das Fetale Alkoholsyndrom ist grundsätzlich das Gebot der Stunde. Auf weitere Sicht gilt es natürlich, die Thematik in unsere anderen sozialen Engagements hineinzutragen, sei es beispielsweise in Beratungsstellen oder Ausbildungs- und Arbeitsstätten. Das Angebot des Betreuten Wohnens deckt den Unterstützungsbedarf von Betroffenen bei weitem nicht ab. Als innovatives Unternehmen wollen und werden wir im Laufe der Zeit weitere Projekte entwickeln.

Welches gesellschaftliche Signal möchten Sie mit Ihrem Engagement aussenden?

Carmen Rüth: Das Fetale Alkoholsyndrom ist beileibe kein Randphänomen, sondern es ist ein Problem, das der Mitte unserer Gesellschaft entspringt. Aus vielerlei Gründen hat es bisher nicht die Beachtung erfahren, die eigentlich notwenig ist. Das hat nach sich gezogen, dass die betroffenen Menschen zuwenig Unterstützung erfahren haben. Das zu ändern möchten wir mithelfen. Die Schottener Soziale Dienste gGmbH versteht sich generell als Anwalt für Menschen, die es in unserer Gesellschaft nicht so einfach haben. Und dazu gehören eben auch die, die am FAS leiden. Sie sind uns willkommen, und unsere Unternehmensmaxime ‘Mensch im Mittelpunkt’ garantiert ihnen eine individuelle Begleitung hin zu einem möglichst selbstbestimmten Leben.

Autorin: Dagmar Elsen

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