
Wissen, Austausch und starke Stimmen aus Praxis, Wissenschaft und Betroffenenperspektive
Am 13. Juni 2026 lud der Verein Happy Baby International e.V. zum Fachtag „Alkohol in der Schwangerschaft – das unbeliebte Krankheitsbild“ nach Großröhrsdorf in Sachsen ein. Von 9.30 bis 16.00 Uhr erwartete die zahlreichen Besucherinnen und Besucher aus den unterschiedlichsten FASD-relevanten Berufsgruppen sowie Pflege- und Adoptiveltern ein abwechslungsreiches Programm mit einem Impulsvortrag, Podiumsdiskussionen und persönlichen Erfahrungsberichten.
Die Resonanz ist durchweg positiv: Die Veranstaltung ist als informativ, praxisnah und bereichernd wahrgenommen worden. Begeistert zeigte man sich über die interessante, abwechslungsreiche und hochkarätige Podiumsbesetzung und den engagierten Austausch.
Viele Teilnehmende nahmen neue Erkenntnisse, konkrete Handlungsideen und wertvolle Impulse für ihren beruflichen und persönlichen Alltag mit nach Hause.
Den Auftakt gestaltete Professorin Dr. Annemarie Jost mit ihrem Vortrag über das Krankheitsbild FASD und die unterschiedlichen, lebenslangen körperlichen und neurologischen Auswirkungen. Sie machte deutlich, dass Kinder und Jugendliche mit Fetalen Alkoholspektrumstörungen häufig nicht an mangelndem Willen, sondern an den Folgen einer vorgeburtlichen Hirnschädigung scheitern. Aufmerksamkeit, Impulskontrolle, Gedächtnisleistungen, soziale Kompetenzen und Selbstregulation sind oftmals beeinträchtigt.
Ihr zentrales Plädoyer: Weg vom Vorwurf „Das Kind will nicht“, hin zum Verständnis „Das Kind kann es in diesem Moment nicht“. Entscheidend seien passende Rahmenbedingungen, klare Strukturen und realistische Erwartungen, die sich am Entwicklungsalter und nicht am kalendarischen Alter orientieren.
Im Anschluss diskutierten renommierte Fachleute und eine von FASD betroffene junge Frau auf dem Podium über die großen Herausforderungen rund um FASD. Mit dabei waren die Sozialpsychiaterin Prof. Dr. Annemarie Jost, der international bekannte FASD-Experte Prof. Dr. Hans-Ludwig Spohr, die Kinder- und Jugendpsychiaterin Dr. Heike Wolter von der Charité, die Betroffene Marie Bielenberg, Nicole Schutza, Pflegeberaterin und Mutter eines FASD-Kindes, Astrid Wendel, pädagogische Leiterin einer Kindertagesstätte mit langjähriger Erfahrung in der Begleitung von Kindern mit FASD, nicht zuletzt Anja Bielenberg, die das FASD-Beratungszentrum „blaues Nest“ in Schleswig-Holstein gegründet hat und mehrfache Mutter von FASD-Pflegekindern ist.
Unter der Moderation der Journalistin und Autorin Dagmar Elsen wurden drei Themenblöcke beleuchtet. Zunächst beschäftigten sich die Diskutanten unter anderem mit der Frage, warum FASD trotz jahrzehntelanger wissenschaftlicher Erkenntnisse noch immer häufig übersehen wird, weshalb Fehldiagnosen an der Tagesordnung sind und welche Versorgungslücken Betroffene und ihre Familien erleben.
Ebenso ging es um die Schwierigkeiten bei der Diagnostik, die Bedeutung einer frühen Unterstützung und die Rolle von Medikamenten im Umgang mit FASD.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Schulalltag. Deutlich wurde, dass viele Kinder und Jugendliche mit FASD im Bildungssystem immer wieder an Grenzen stoßen. Lehrkräfte erleben Verhaltensweisen häufig als Verweigerung oder Ungehorsam, obwohl diese auf neurologische Beeinträchtigungen zurückzuführen sind. Diskutiert wurde, welche Unterstützung Schulen benötigen, um betroffene Schülerinnen und Schüler erfolgreich begleiten zu können, und welche Maßnahmen sich in der Praxis bewährt haben.
Eindrucksvoll dabei waren die persönlichen Beiträge von Marie Bielenberg. Sie schilderte, wie es sich anfühlt, mit FASD aufzuwachsen, missverstanden zu werden und immer wieder an Erwartungen zu scheitern, die aufgrund der Beeinträchtigung kaum erfüllbar sind. Ihre Perspektive machte deutlich, wie wichtig Verständnis, Akzeptanz und passgenaue Unterstützung für die Entwicklung von Menschen mit FASD sind.
Zum Abschluss widmete sich das Podium dem Thema „FASD-Straf¬täter in der Justizfalle“. Dabei wurde aufgezeigt, dass Menschen mit FASD überdurchschnittlich häufig mit dem Justizsystem in Berührung kommen. Diskutiert wurden die Ursachen dafür, die besondere Manipulierbarkeit vieler Betroffener, die Rolle exekutiver Funktionsstörungen sowie die Frage, wie Prävention, frühe Förderung und gesellschaftliche Sensibilisierung solche Entwicklungen verhindern könnten.
Der Fachtag zeigte eindrucksvoll, wie groß der Bedarf an Aufklärung, fachlicher Weiterbildung und gesellschaftlicher Sensibilisierung weiterhin ist. Gleichzeitig machte die Veranstaltung Mut: Dort, wo Wissen über FASD vorhanden ist und Betroffene verstanden werden, können Teilhabe, Bildungserfolg und Lebensqualität deutlich verbessert werden.
Das Fazit: Wie wichtig Aufklärung über FASD ist – und wie viel erreicht werden kann, wenn Wissenschaft, Praxis, Betroffene und Angehörige miteinander ins Gespräch kommen. Wissen schafft Verständnis. Und Verständnis schafft bessere Chancen für Menschen mit FASD.

HAPPY BABY-FASD-Fachtag am 09.11.2024
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„Sehr spannend und interessant“ – „Facettenreich und eindrucksvoll“ – „Mal ganz anders aufbereitet, so emotional und authentisch die Diskussionsteilnehmer“ – „Tolle Veranstaltung, sie schreit nach Wiederholung“ – „Die Diskutanten fanden die Diskussionen selbst spannend und anregend, das hat man richtig gemerkt“ – „Es war nicht nur spannend, sondern auch stellenweise heiter und humorvoll“ – „Habt ihr echt super gemacht“, „Lockere Atmosphäre“ – „Interessante Veranstaltung, ich nehme da viel mit“.
Das waren einige der Rückmeldungen, die wir für unseren Fachtag bekommen haben.
Ganz herzlichen Dank an alle, die gekommen waren aus nah und fern. Wir haben uns sehr gefreut, dass der Fachtag den allermeisten gefallen hat, auch wenn nicht alles perfekt gelaufen ist. Aber wir sind auch nicht perfekt. Wer schon?
Herzlich Dagmar Elsen und Anja Bielenberg
Wir freuen uns sehr, einen FASD-Fachtag der besonderen Art auszurichten. Wir werden lebendige, inspirierende Podiumsdiskussionen mit Experten aus verschiedenen FASD-relevanten Berufsfeldern auf die Bühne bringen.
Veranstaltungsort
Frida’s Schüün
Nordseestraße 1, 25899 Dagebüll in Schleswig Holstein von 9.30 bis 16 Uhr
Titel
Schockdiagnose FASD – was nun?
Unser Ziel
FASD barrierefrei machen!
Voller Leidenschaft auf dem Podium
Professor Dr. Hans-Ludwig Spohr
international renommierter FASD-Experte, Kinderarzt und Neuropädiater
Heike Wolter
Ärztin und FASD-Expertin, Sozialpädiatrisches Zentrum und Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie Charité Berlin
Dr. Khalid Murafi
FASD-Experte, Psychiater, Psychotherapeut und Chefarzt der Klinik Walstedde – Seelische Gesundheit für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
Kristina Schröder
FDP-Abgeordnete Schleswig-Holstein
Anja Bielenberg
FASD-Fachberaterin, Gründerin „Blaues Nest“
Alexandra Ott
Sozialpädagogin, pädagogische Leitung der FASD-Wohngruppe „Quo Vadis”
Kathrin Niedermanner
Kinderschutzdozentin
Rolf Bössow
Hof „Drei Eichen“ in Hahn, sozialpädagogische familienanaloge Projektstelle
Astrid Wendel
Pädagogische Leiterin der ADS Kita Broder-Lorenz-Nissen, Bredstedt
Doreen Konrad
Schulassistentin in Berlin
Nadine Hess
Koordinatorin Schulbegleitung beim Träger „Soziales mit Herz und Verstand“
Moderation
Die Journalistin und Autorin Dagmar Elsen wird die Diskussionen zu den drei Themenblöcken „Bedeutung frühzeitiger Diagnose“, „Wundersame Welt der FASD-Kinder“ und „FASD infiltriert das ganze Leben“ moderieren.
Themen
Bedeutung frühzeitiger Diagnose
FASDplus / Differenzialdiagnosik / Was Medikation leisten kann für die Kinder, die Familien / Therapien / Assistenzen / Behindertenausweis – Sinn und Nutzen
Wundersame Welt der FASD-Kinder
Häufigste Prävalenzen / Pädagogische Methoden / Mobbing – Unverständnis und Ablehnung in der Gesellschaft
FASD infiltriert das ganze Leben
Balanceakt zwischen Anpassung und Abgrenzung / Achtsamkeit / Resilienz / Suchtverhalten / Selbsthilfe / Wenn Eltern an ihre Grenzen stoßen
Teilnahmegebühr
WIR FREUEN UNS AUF EUCH!
Buchung
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Dagmar Elsen
Tel. +49 (0) 170 96 25 807
info@happy-baby-no-alcohol.de
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BIC: HELADEF1TSK
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